Norwegen

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Allgemeine Informationen

Generelle Empfehlungen

Camping am Nordkap

In Norwegen gilt das Jedermannsrecht (Allemannsretten), d.h. die Nutzung der Natur und ihrer Früchte ist jedem gestattet, unabhängig von der Zustimmung des Grundbesitzers. Allerdings darf dabei weder die Natur noch der Besitzer geschädigt, gestört oder in sonstiger Form benachteiligt werden. In der Praxis bedeutet das für Radreisende, dass Wildcamping zwar erlaubt ist, jedoch ein angemessener Abstand zu Wohnhäusern eingehalten werden muss. Außerdem muss eventuell anfallender Müll wieder mitgenommen werden. Vom 15. April bis 15. September ist das Feuermachen in oder in der Nähe von Waldgebieten verboten.

Besondere Regeln und Vorschriften (z.B. Campingverbot) können in Naturschutzgebieten und zunehmend auch um Siedlungen herum wie z.B. teilweise am Rallarvegen oder auch auf den Lofoten bestehen und sollten auch unbedingt beachtet werden. Je mehr Missbrauch betrieben wird, um so strenger werden die Regeln.

Einreisebestimmungen, Dokumente

Norwegen gehört zwar nicht zur EU, ist aber Mitglied des Schengen-Raums, daher wird kein Visum benötigt und ein Personalausweis ist ausreichend. Allerdings unterscheiden sich die Zoll-Bestimmungen etwas zu regulären EU-Mitgliedern. Mit dem Flugzeug kann es (wegen Zoll) passieren, dass man im internationalen Transit-Bereich landet und dann entsprechend Zeit für die Grenzabfertigung einplanen muss. Bei Einreise per Land oder Wasser aus einem EU-Land finden in der Regel keine Kontrollen statt.

Klima, Reisezeit, Wetter im Internet

In den küstennahen Gebieten Norwegens herrscht aufgrund des Golfstroms vergleichbar mildes Klima. Ostnorwegen (Hedmark/Region Röros) und die östlichen Bereiche von Troms und Finnmark (z. B. Raum Kautokeino) weisen dagegen kontinentales Klima mit strengen Frösten im Winter auf. Der jährliche Niederschlag beträgt im westlichen Fjordland bis über 2.000 mm, in der Region Röros dagegen - ähnlich wie in großen Teilen Schwedens - nur etwa 600 mm. In den meisten Regionen Norwegens fällt während des Winters viel Schnee. Nicht jede Straße wird geräumt und das kann bedeuten, dass teilweise bis weit in den Mai hinein manche Orte nur per Schiff oder nur mit großen Umwegen erreichbar sind. Auch manche Fährverbindungen bestehen nur während des Sommerfahrplans (von etwa Anfang Juni bis Ende August oder Mitte September). Auch einige Radrouten, die durch Hochlagen führen, können von langandauernden Streckensperrungen betroffen sein, wie z.B. der Rallarvegen im Abschnitt zwischen Finse und Hallingskeid.

Detaillierte Wetterberichte (wahlweise in Englisch) für jeden Ort in Norwegen, auch vom Smartphone gut aufzurufen, bietet www.yr.no . Die hier ebenfalls zu findenden Niederschlagsradar-Daten können bei Radtouren auch nützlich sein.

Sicherheit und Verhaltensempfehlungen

Sprache

Eine einheitliche norwegische Sprache gibt es nicht, die meisten Norweger sprachen Bokmål, eine aus dem Dänischen entstandene Sprache, eine kleine Gruppe, etwa 10-15 % sprechen Nynorsk, die ältere der beiden offiziellen norwegischen Sprachen. Wer Dänisch oder Schwedisch kann, kommt ganz gut klar in Norwegen, zumindest das Bokmål lässt sich dann gut verstehen. Wer keine skandinavische Sprache beherrscht, kommt mit Englisch eigentlich überall gut durch. Da Norweger ausländische Filme selten synchronisiert, sondern meist nur mit norwegischen Untertitel sehen können, sind englische Sprachkenntnisse fast selbstverständlich. Auch Deutsch wird vor allem in den Touristenregionen verstanden.

Fahrradinformationen

Regeln und Vorschriften

Fahrräder sind von der allgemeinen Lichtpflicht zwar ausgenommen, jedoch gibt es auf den kleinen Nebenstraßen viele unbeleuchtete Tunnel, für die eine gute Lichtanlage unbedingt erforderlich ist, um zu sehen und gesehen zu werden. Auf den größeren Straßen, die "häufiger" von Autos befahren werden sind die Tunnel beleuchtet.

Norweger tragen beim Radfahren oft reflektierende Warnweste und Helm, dies geschieht aber nur auf Empfehlung - ein Verstoß wird nicht geahndet.

Viereckige blaue Schilder mit den beiden Symbolen "Radfahrer" und "Fußgänger" und ohne Zusatzzeichen bezeichnen Wege, auf denen Kfz-Fahrverbot herrscht. Sie sind meist straßenbegleitend und für Fahrradfahrer nicht benutzungspflichtig.

Versorgungslage für Ersatzteile

In größeren Städten wie Bergen, Oslo und Bodø finden sich ohne Probleme spezialisierte Fahrrad-Fachgeschäfte, die auch aus Deutschland bekannte Teile und Marken auf Lager haben. Die Auswahl für Trekking-/Reiseräder ist nicht ganz so groß wie bei uns.

Transport

Anreise

Die Anreise nach Norwegen erfolgt für den Reiseradler, der nicht mit dem Flugzeug reisen will, meist entweder auf dem Landweg via Schweden oder per Fähre aus Dänemark oder Deutschland.

Die Anreise mit der Bahn via Schweden wird immer noch dadurch erschwert, dass die schwedischen Bahnen üblicherweise keine Fahrräder transportieren, Ausnahmen stellen jedoch Züge dänischer, norwegischer und deutscher Betreiber dar, die teilweise in Schweden verkehren. Eine weitere Ausnahme sind die unter der Bezeichnung Bohuståget verkehrenden Züge, mit dem man von Göteborg bis Strömstad kurz vor der norwegischen Grenze fahren kann. Hier ist die Fahrradmitnahme erlaubt, genauere Infos hier. Diese Züge verkehren im Zweistundentakt.

Für die Anreise über das dänische Festland muss man beachten, dass die Fahrzeit von Hamburg bis Hirtshals etwa einen ganzen Tag in Anspruch nimmt und dass man unbedingt die Fahrradplätze bei der dänischen Bahn reservieren muss.

Anreise mit der Fähre

Die Vielfalt der Fährlinien, die es bis in die 90er Jahre auf den Strecken nach Norwegen gab, ist vorbei, die meisten Fährlinien wurden von Colorline übernommen, was sich auch in gestiegenen Preisen bemerkbar macht. Dennoch gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten, Norwegen zu erreichen, die meisten über die jütländischen Häfen Frederikshavn, Hirtshals und Hanstholm.

Ab Deutschland

  • Kiel - Oslo mit Colorline. Sicher die komfortabelste, aber auch teuerste Fährverbindung nach Norwegen. Inzwischen setzt die Colorline auf dieser Strecke zwei Schiffe mit Kreuzfahrtcharakter ein; die früheren günstigen Übernachtungsmöglichkeiten und Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Gastronomie sind praktisch nicht mehr vorhanden. Die Preise schwanken wie beim Flugzeug, aktuell (2012) in der Nebensaison ab 44,- (Person und Fahrrad bei 2er-Belegung z.B. im Mai oder September). Im Juli und August deutlich teurer.

Ab Dänemark

  • Frederikshavn - Oslo (13,5 h) mit Stena Line.
  • Kopenhagen - Oslo (16,5 h) mit DFDS Seaways. Günstige Nachtzuganbindung.
  • Hirtshals - Kristiansand (3,25 h) mit Colorline und in 2,25 h mit dem Katamaran von Fjordline.
  • Hirtshals - Larvik (3,25 h) mit Colorline.
  • Hirtshals - Langesund (4,5 h) mit Fjordline.
  • Hirtshals - Stavanger (11,5 h) - Bergen (+ 8 h) Fjordline.

Anreise mit dem Flugzeug

Die größte Auswahl an Flugverbindungen nach/von Norwegen dürften SAS und Norwegian bieten. Die Preise sind je nach gewählter Verbindung und Buchungsfrist äußerst variabel. Z. B. kostete Ende August 2014 ein ca. 1 Woche vor Abflug gebuchter Flug mit SAS von Alta nach Düsseldorf etwa 160 €, ein Flug am gleichen Tag von Alta nach Hamburg mehr als das doppelte.

Transport im Land

Bahn

In der Norwegischen Staatsbahn NSB ist auf fast allen Strecken die Radmitnahme problemlos möglich. In vielen Regionalzügen und den Fernzügen ist die Fahrradmitnahme nur nach vorheriger Reservierung möglich und die Plätze sind oft sehr beschränkt. So sind z.B. in vielen Zügen der Bergenbahn nur wenige Plätze vorhanden. Auf der von Radlern im Sommer stark frequentierten Strecke Geilo - Finse verkehrt von Mai bis September einmal täglich ein spezieller Fahrradzug.

Fahrradverladung:

  • In den Fernzügen gibt es oftmals nur wenige, reservierungspflichtige Stellplätze. Diese befinden sich entweder im Triebkopf oder auch in der Mitte des Zuges beim Restaurant. Die Räder werden vom Zugpersonal verladen, man kommt während der Fahrt nicht an sie ran und muss zudem meist sein gesamtes Gepäck mit sich nehmen, weil die kleinen Kammern, in denen die Räder stehen, auch noch als Lagermöglichkeit genutzt werden. Je nach Verhandlungsgeschick kann man den Zugbegleiter aber auch davon überzeugen, seine Taschen unter dem Rad zu lagern. Achtung: Beim Einsteigen an Zwischenstationen kann einem oftmals keiner vorher sagen, wo sich die Fahrradabteile befinden, d.h. man muss oft noch sehr schnell den gesamten Bahnsteig lang. Daher besser nicht frühzeitig Taschen oder Packgurte lösen, sondern erst, wenn man am richtigen Eingang ist.
  • In den Regionalzügen (regionaltog) gibt es meist große Gepäckabteile (in der Regel im/hinter dem Triebkopf), hier muss man selbst ein- und ausladen. Man kommt in die Gepäckabteile aus dem Zuginneren nicht hinein, sondern kann erst nach dem Aussteigen die Ladetür von außen öffnen. Die Ladefläche liegt hoch, das Rad muss komplett (schätzungsweise auf mind. 1 m Höhe) hoch- und heruntergehoben werden. Abpacken wird für viele unabdingbar sein. Tipp: Rad abpacken, auf der Seite liegend ins Gepäckabteil schieben, die Taschen hinterher und selbst mit ins Gepäckabteil klettern. Das ist zwar offiziell nicht erlaubt, wurde aber bereits mehrfach erfolgreich praktiziert. Dann in Ruhe Rad verstauen (Packgurte zum Festzurren nicht vergessen) oder das Rad einfach auf dem Boden liegen lassen, wie es die norwegischen Mountainbiker meist tun (dann hat man aber keinen Schutz vor "unbefugtem Ausladen"), die Taschen an der Seite stapeln und dann nur mit dem Notwendigsten für die Fahrt in die Abteile gehen. Achtung - one-way: einmal raus, kommt man nicht wieder rein, wenn einem der Zugbegleiter nicht öffnet.
  • In den Lokalzügen (lokaltog) besteht in der Regel keine Reservierungspflicht, außerdem nimmt man das Rad einfach mit in das Abteil (oft Niederflurwagen mit kleinen Mehrzweckabteilen). Was Spontaneität der Reiseplanung und einfache Verladbarkeit angeht, sind die Lokalzüge die optimalste Lösung - leider fahren sie nicht auf den langen Strecken wie Oslo - Bergen und Oslo - Trondheim.

NSB verkauft bestimmte Kontingente an "minipris-tickets" zu 199, 299 und 399 NOK, mit denen eine beliebig lange Strecke, z.B. Bodø-Trondheim-Oslo-Kristiansand, gefahren werden kann. Näheres hier. Eine beträchtliche Preiserhöhung hat es in den letzten Jahren bei den Fahrradtickets gegeben: Für das Fahrrad sind 50 % des jeweiligen Tickets fällig, maximal jedoch 179 NOK.

Flugzeug

Innerhalb Norwegens bietet die Fluggesellschaft norwegian gute und günstige Verbindungen an. Selbst Flugverbindungen in die kleineren Städte im hohen Norden Norwegens (z.B. Alta, Kirkenes, Tromsø, Lakselv etc.) und bis nach Spitzbergen werden von Norwegian angeboten. Viele norwegische Flughäfen werden auch von SAS bedient. Die Flugpreise sind stark von Abflugtermin und Buchungsfrist abhängig. Die Fluggesellschaft Wideroe bedient vor allem viele kleine Flughäfen mit innernorwegischen Flügen. 2014 bestand eine Kooperation von Wideroe und SAS, wohl mit der Möglichkeit Flüge mit diesen beiden Gesellschaften durchgehend zu buchen.

Busse

Da die Zugverbindungen nur bis nach Bodø gehen, muss man im Norden Norwegens auf Fernreisebusse ausweichen, die aber jede etwas größere Stadt anfahren. In der Regel ist es kein Problem, Räder im Bus mitzuführen - natürlich immer vorausgesetzt, dass genug Platz vorhanden ist und man bereit ist, einen Aufpreis zu zahlen. Diese Busse fahren aber nicht nur im Norden Norwegens, sondern im ganzen Land und mit den Bussen ist man oftmals flexibler und schneller unterwegs als mit dem Zug. Näheres zu den Busverbindungen und Preisen siehe Busgesellschaft nor-way.

Schiff

Fahrräder an Bord der Hurtigruten
Hurtigrutenschiff in Havøysund

Neben den Fähren, die lediglich zum Übersetzen über die Fjorde und damit als Bestandteil des Straßennetzes gelten, gibt es auch einige Möglichkeiten, per Schiff innerhalb des Landes zu reisen.

In der Küstenregion von Bergen bis hoch nach Kirkenes gelten die Postschiffe der Hurtigruten als übliches Mittel, längere Distanzen zu überwinden. Man kann hier meist ohne Vorbuchung (außer das Schiff ist völlig überbucht) für längere oder kürzere Abschnitte zwischen einzelnen Häfen mitfahren, da die Schiffe weniger Kreuzfahrtschiffe, sondern vor allem normale Transportmittel für die Norweger sind. Die Fahrradmitnahme ist problemlos möglich und kostet 10% des Beförderungspreises für einen PKW auf der jeweiligen Strecke, siehe Preisliste (pdf), wobei im Fahrzeugpreis auch der Fahrer eingeschlossen ist. Die Fahrräder werden bei den neueren Schiffen auf dem Autodeck seegangstauglich verzurrt, auf den älteren Schiffen wie beispielsweise der Lofoten (Foto) werden sie auch an Deck abgestellt.

Wer eine Passage mit den Hurtigruten mitfahren möchte, fährt einfach zum entsprechenden Hafen. Tickets können an der Rezeption auf dem Schiff bezahlt werden. Wer über Nacht fährt, kann in Salon oder Cafeteria übernachten, falls man keine Kabine buchen will (auch wenn das nirgendwo offiziell erlaubt ist). Auch die üblichen Mahlzeiten an Bord können kurzfristig gebucht werden, alternativ ist auch eine Verpflegung in der Cafeteria möglich.

Es gibt jedoch keine Garantie, dass der jeweilige Hafen, von dem weg oder zu dem man hin möchte, auch wirklich angelaufen wird. Wegen Engpässen im Zeitplan aufgrund technischer Probleme oder schwieriger Wetterbedingungen kann es immer passieren, dass einzelne Häfen nicht angelaufen werden können, was dazu führen kann, dass man an einem anderen Hafen als geplant landet. Den tagesaktuellen Stand bezüglich des Fahrplans findet man hier, desweiteren wird der Sommerfahrplan die meisten Radler mehr interessieren als der Winterfahrplan.


Straßen

Straßennetz, allgemeine Informationen

Frei herum laufende Rentiere

In Norwegen sind Europastraßen und Nationalstraßen (norwegisch: riksvei) vollständig asphaltiert, mit Ausnahme der Straße 258 über das Strynfjell. Andere Hauptstraßen (norwegisch fylkesvei) sind in der Regel ebenfalls asphaltiert. Man findet aber auch gelegentlich Strecken, die nicht asphaltiert sind (grusvei). Bei wenig befahrenen Straßen in dünn besiedelten Regionen hat der Asphalt häufig schlechte Qualität, z. B. Längsrisse oder Schlaglöcher, so dass sehr schmale Reifen von Nachteil sein können.

Bedingt durch die Topografie mit vielen Inseln und Fjorden muss man bei Fahrten in der Nähe der Küste einige Fährfahrten einplanen. Es gibt aber eine gewisse Tendenz, solche Fähren durch Tunnel oder Brücken zu ersetzen. Insbesondere Tunnels haben dann häufig ein Fahrradverbot.

Im hohen Norden kann es vorkommen, dass mitten auf der Straße Rentiere herum laufen oder am Straßenrand grasen. Als Radfahrer sollte man beachten, dass Rentiere Fluchttiere sind und sich daher unvorhersehbar bewegen.

Ein digitales Kartenwerk von Norwegen findet man unter [1]


Wintersperren

Die folgenden Angaben sind ungefähre Angaben. Die Dauer der Sperrung hängt von der Witterung ab.

Straße Abschnitt Zeitraum
E69 Skarsvåg-Nordkap Oktober - April
Rv 13 Gaularfjellet Dezember - Mai
Rv 51 Valdresflye November - Mai
Rv 55 Sognefjellet November - Mai
Rv 63 Geirangervegen November - Mai
Rv 63 Trollstigen August - Mai
Rv 98 Ifjordfjellet Dezember - Mai
Rv 252 Tyin-Eidsburgarden Oktober - Juni
Rv 258 Gamle Strynefjellsveg Obtober - Juni
Rv 520 Hellandsbygd-Røldal November - Juni
Rv 886 Vintervollen-Gr. Jakobselv November - Mai

Neben den Vollsperrungen werden an schneereichen Straßen im Winter Kolonnen gebildet, die von einem Schneepflug eskortiert werden.

Tunnel

Einfahrt in den Nordkapptunnelen

Radfahren ist prinzipiell überall erlaubt, jedoch gibt es auf Autobahn-ähnlichen Strecken sowie vor längeren Tunnels oft ein Verbotszeichen für Radfahrer. Inwiefern dieser für einige Radler störende Tatbestand sich auf die eigene Routenplanung auswirkt, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Die Erfahrungen mit Tunnelfahrten, wie sie im Radreise-Forum bisher berichtet wurden, waren in der Regel positiv. Eine Empfehlung kann aber nicht gegeben werden.

Häufig ist eine Alternativroute für Radfahrer ausgeschildert oder läßt sich erraten (teilweise schon weit vorher, daher immer aufmerksam die Beschilderung beachten, sonst muss alles wieder zurückgefahren werden). Es gibt eine Karte, speziell für Radfahrer: SYKKELRUTER I NORGE, in der u.a. für alle Tunnel angegeben ist, ob sie mit dem Rad durchfahren werden können oder nicht. Auch die für Radfahrer gesperrten Abschnitte auf den Hauptdurchgangsstraßen sind gekennzeichnet. Bezogen werden kann die Karte online z.B. hier oder vor Ort in jeder besser sortierten Buchhandlung. Im Internet gibt es eine englischsprachige Datenbank und Karte zur Befahrbarkeit vieler norwegischer Tunnel. Die Datenbank wurde von Radreisenden erstellt, ist nicht vollständig und kann per Formular aktualisiert und ergänzt werden. Im OpenStreetMap-Projekt sind Beschränkungen wie Radfahr-Verbot ebenfalls teilweise hinterlegt und werden in entsprechenden GPS-Karten/Routing angezeigt/berücksichtigt.

Es gibt jedoch auch viele Fälle, in denen man einen Tunnel mit Fahrradverbot nicht so einfach umfahren kann:

  • Høyanger, Folgefonn: Umwege von 100 km oder mehr notwendig
  • Stalheimskleiv: Sehr steile Umfahrungsstrecke bis fast 20%
  • Svartisentunnel: Fähre, die nur 2-3 Mal am Tag fährt
  • Strynfjell: Umfahrung auf dem "Gamle Strynefjellsvegen" nicht asphaltiert von der Abzweigung in Grotli bis zum Sommerskigebiet, aber gut fahrbar; sehr empfehlenswert!
  • Lærdaltunnel: Umfahrung wird nicht von Schnee geräumt
  • Umfahrung führt über viele Höhenmeter (bei Tunnels, die einen Pass unterqueren)
  • Umfahrung nicht existent oder lückenhaft
  • Fahrrad im Linienbus mitnehmen, der aber teilweise nur wenige Male am Tag fährt (z.B. viele Unterwassertunnels)
  • Umfahrung ist wegen Felssturz, Unterspülung etc. nicht befahrbar
  • Umfahrung ist wegen Drängelgittern mit Tandem oder Anhänger nicht befahrbar.

Auf der anderen Seite gehören oft Umfahrungsstraßen von Tunnelstrecken zu den schönsten Strecken, die man in Norwegen finden kann, unabhängig davon, ob der Tunnel nun ein Verbot hat oder nicht.

Gründe für eine Tunnelsperrung können sein:

  • es existiert eine parallele Umfahrung für Radfahrer, die ohne Einschränkungen zu nutzen ist, in unmittelbarer Nähe
  • sehr starker Kraftverkehr (rund um Ballungsräume wie Oslo/Bergen)
  • starke Steigungen/Kurven innerhalb des Tunnels (Kraftfahrer sehen ein langsames Rad unter Umständen zu spät)
  • Möglichkeit, dass sich gefährliche Gase wie Kohlenmonoxid im Tunnel sammeln und bei der Durchfahrt mit dem Fahrrad wegen der körperlichen Anstrengung und zeitlich längeren Aussetzung auf den Körper auswirken (z.B. Ohnmacht)


Fähren

Fjordfähre im Sognefjord

Norwegen ist ein Land mit vielen Inseln und Fjorden, die meist mit Fähren überquert werden. Die Fahrpläne sind für Ausländer nicht immer sofort zu verstehen, eine ausführliche Erklärung befindet sich hier im Wiki. Eine tabellarische Übersicht über die Inlandsfähren bekommt man bei ferrylines.com.

Rad an Bordwand gelehnt

Vor den Fähren gibt es üblicherweise Wartespuren auf denen man sich als Radfahrer ganz vorne einordnen darf (besonders im Sommer relevant, wenn nicht immer alle Autos/Wohnmobile auf einen Schlag mitkönnen). Nachdem die Fähre angelegt hat und die eingetroffenen Autos/Passagiere die Fähre vollständig geräumt haben, fährt man als Radfahrer üblicherweise als erstes auf die Fähre - es ist vom Fährpersonal und Fahrgastaufkommen abhängig, ob das Personal sofort beim Reinfahren kassiert oder erst während der Überfahrt (Blickkontakt reicht, um zu merken was der Einweiser will). Als Radfahrer ordnet man sich üblicherweise in einer der Seitennischen neben den Aufgängen (aber ohne einen Durchgang zu versperren) ein. Normalerweise ist die Überfahrt so ruhig, dass das Rad nicht extra gesichert/angeseilt werden muss, sollte das Wetter schlecht sein, wird das Personal entsprechende Hinweise und Hilfen geben.

Da die Fähren meist reguläre Straßen ersetzen sind die Kosten hierfür meist gering. Eine Ausnahme bilden die Fähren Flam-Gudvangen und Gudvangen-Kaupanger-Laerdal. Diese sind recht teuer, da sie primär als Touristenfähre dienen. Das Fahrrad zählt in den meisten Fällen als normales Gepäckstück. Als Radler kann es auch mal vorkommen, dass man kostenlos befördert wird. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen.

Während der Überfahrt gibt es normalerweise die Möglichkeit sich an einem Kaffee- oder Snackautomaten zu verpflegen, bei längeren Überfahrten ist meist auch ein kleines Bistro geöffnet. Alle Fähren haben öffentliche Toiletten an Bord. Offiziell ist der Aufenthalt auf dem Auto-Deck während der Überfahrt nicht gestattet; meist wird dieses Verbot nicht sehr nachdrücklich durchgesetzt, aber wer auf Nummer sicher gehen will, sollte alles, was er für die Überfahrt braucht, mitnehmen.

Nach dem Anlegen der Fähre kann es sein, dass das Personal möchte, dass man als erstes die Fähre verlässt. Im Sommer, wenn die Fähren voll sind, wird es aber die Regel sein, dass man als Radfahrer ohnehin erst als letzter die Fähre verlassen kann, da der Ausgang zugeparkt ist. Die Autos/Wohnmobile/Laster werden einen sowieso alle überholen. Sollte man nicht als letzter die Fähre verlassen, lohnt sich kurz an den Rand zu fahren und alle Kraftfahrzeuge passieren zu lassen, um anschließend (bis zum nächsten Eintreffen einer Fähre) die Straße für sich alleine zu haben ;-)


Routen und Touren

Berühmte Strecken in Norwegen: Trollstigen...
... und die Abfahrt nach Flam.

In Norwegen gibt es 9 nationale Fahrradrouten, die meisten befinden sich in der Südhälfte des Landes, lediglich die Route 1 führt (weitgehend an der Küste) hinauf bis zum Nordkap. Fast ohne Ausnahme verlaufen die Routen auf normalen Straßen, allerdings soweit möglich auf verkehrsschwachen Strecken. Die Beschilderung der Routen hat sich in den letzten Jahren zunehmend verbessert.

Eine grobe Übersicht findet man auf den Seiten des Statens Vegvesen (pdf).

Sehr detaillierte, aber auch hochpreisige Karten für die einzelnen Radwanderwege erhält man in der Geobuchhandlung.

Gesundheit und Ernährung

Gesundheitsversorgung

Mücken

Mücken!

Wenn etwas - zumindest subjektiv - in Norwegen das Wohlbefinden bedrohen kann, so sind dies definitiv Mücken. In den Sommermonaten sollte man sich im Vorhinein mit verschiedenen geeigneten Schutzmaßnahmen versehen, dazu gehört - ein gutes Mückenschutzmittel, das man im Outdoorladen oder gleich vor Ort erwirbt, verschiedene auf dem deutschen Markt erhältliche Präparate können gegen die nordländischen Mücken in der Regel wenig ausrichten, - ein Innenzelt mit feinmaschigem Insektengitter, - bei besonderer Empfindlichkeit oder besonders starker Mückenplage Insektenhut oder -netz, um dieses über dem Fahrradhelm zu tragen.

Generell gilt, dass mit einer Mückenplage am ehesten im Binnenland / an stehenden Gewässern und Sümpfen zu rechnen ist. An der Küste bzw. an schnell fließenden Gewässern ist die Gefahr deutlich geringer. So war z. B. im August 2014 eine Radreise von Trondheim bis in Nordkapnähe nahezu ohne Belästigung durch Mücken möglich. Bei Windstille/Schatten/abends sind Mücken aktiver als bei Sonne und Wind.

Besondere Beachtung sollte man kleinen, fliegenden Tierchen (wohl "Kriebelmücken") widmen. Sie sehen aus wie harmlose Gewittertierchen, hinterlassen aber unschöne Wunden, die ordentlich jucken. Schlimmer als die bekannten Mücken (Schnaken), die es in Norwegen ebenfalls gibt.

Ernährung und Versorgungssituation

Allgemeines

Tipp für alle, die länger in Norwegen unterwegs sind und gerne und oft Kaffee trinken: Kauft an der ersten Statoil-Tankstelle für 149 NOK den Jahresbecher "Statoilkoppen"! Damit könnte Ihr an jeder Statoil-Station - und die gibt es überall in Norwegen - Kaffe oder andere Warmgetränke zapfen, ohne die sonst üblichen 10-20 NOK bezahlen zu müssen. Wer noch den Becher vom Vorjahr hat, braucht nur einen neuen Deckel und zahlt dafür 99 NOK. Der Isolierbecher passt übrigens in den Flaschenhalter. Neuere Versionen klappern aber mitunter recht stark. Näheres hier.

Einkaufsmöglichkeiten

Allgemein ist zu sagen, dass man trotz der dünnen Siedlungsdichte keine Angst haben muss, dass man keinen Nachschub an Lebensmitteln bekommt. In Orten gibt es meist ein paar Einkaufsmöglichkeiten und auch in manchen Siedlungen gibt es einen kleinen Laden. Je einsamer der Laden jedoch liegt, desto höher sind in der Regel auch die Preise. Es lohnt sich, wenn man in einem größeren Ort einkauft. In den ganz dünn besiedelten Regionen im Norden haben auch die Tankstellen einen kleinen Laden angegliedert, wo man neben den Lebensmitteln auch allerlei andere Dinge kaufen kann. Auch sonst findet man in den Tankstellen ein begrenztes Angebot an Nahrungsmitteln. Allerdings sind diese dort ungefähr doppelt so teuer wie im Supermarkt. In vielen Supermärkten gibt es auch noch eine kleine Apotheke. An Tankstellen und Supermärkten gibt es meistens zu erschwinglichen Preisen Kaffee und häufig auch frische Waffeln mit Erdbeerkonfitüre oder norwegischem süßem brauenen Käse (meist 20 bis 30 NKr).

Lebensmittel sind im Vergleich zu Deutschland überwiegend teurer. Preisvergleiche (NKr pro kg) und Flexibilität lohnen sich aber. Beispiele Sommer 2014: Müsli Coop-Eigenmarke bei etwa gleicher Zusammensetzung halb so teuer wie andere Marke; Käse am großen Stück deutlich billiger als kleines Stück oder gar scheibchenweise verpackt; Nektarinen im Sonderangebot deutlich billiger als anderes Obst; große Packung Papiertaschentücher Eigenmarke Coop (mäßige Qualität) deutlich billiger als kleine Packung anderer Marke.

In großen Supermärkten vor allem in Städten gibt es oft fertige Salate soeie Sushi zu erschwinglichen Preisen.

Unterkunft

Hütte auf Campingplatz

Als Unterkunft bietet sich das Zelten in freier Natur an. Schöne Plätze findet man schon wenige Meter abseits der Straße. In Norwegen gibt es auch zahlreiche Campingplätze. Die Kosten für ein Zelt als Radler belaufen sich auf 60 bis 200 NOK für zwei Personen. Duschmarken müssen meist extra gekauft werden. Auf den meisten Campingplätzen gibt es die Möglichkeit, sich eine Hütte zu mieten. Diese sind oft einfach ausgestattet und bieten in der Regel neben Betten und Sitzgelegenheiten eine Kochstelle. Die Kosten für eine Hütte beginnen bei 250 NOK pro Nacht, können aber auch über 1000 NOK liegen, abhängig von Größe, Ausstattung und vor allem der touristischen Attraktivität der Region. Hotels gibt es meist nur in größeren oder touristisch geprägten Orten.

Camping

Campingplätze, die von Mitgliedern des Radreise-Forums empfohlen werden, findet man unter Empfehlenswerte Campingplätze#Norwegen.

Regionen

Die norwegischen Regionen werden Fylke genannt, was etwa den deutschen Bundesländern entspricht. Die Lofoten sind in diesem Sinne keine Region, aber wegen der touristischen Bedeutung ist eine eigene Seite dafür sicher sinnvoll.

Literatur

Karten

  • Kümmerly & Frey - Norwegen 1:335.000, 5 Blatt
  • Freytag & Berndt - Norwegen 1:250.000, 4 Blatt
  • Cappelen Kart 1:335.000 bzw. 1:400.000 mit vielen tourisitschen Informationen bis hin zu Wanderwegen mit Wegzeiten (evtl. gleiche Kartengrundlage wie Freytag&Bernd und Kümmerly&Frey)
  • Castor - Radwanderkarten

Reiseführer

  • Frank Pathe: Norwegen per Rad. Verlag Wolfgang Kettler: Neuenhagen 2006, 5. aktualis. Aufl., ISBN 978-3-932546-34-1

Weblinks

Radreise-Forum

Externe Links