Kettenpflege

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Vorbemerkungen

Die Kette ist das Bauteil, welches starkem Verschleiß unterworfen ist und das wohl am häufigsten gepflegt wird.

Der Verschleiß einer Kette entsteht dadurch, dass bei der Bewegung der Kette langsam die Verbindungsbolzen kleiner geschliffen werden. Es kommt zum Spiel in diesem Gelenk, was sich in einer Längung bemerkbar macht. Bebilderte und genauere Informationen zu diesem Vorgang findet man bei Sheldon Brown (rip).

Das Ziel der Kettenpflege ist es, diesen Schleifvorgang mit möglichst wenig Arbeit so gering wie möglich zu gestalten.

Pflege

Wie oben beschrieben, besteht der Verschleiß aus dem Abschleifen der Verbindungsbolzen durch Schmutz. Feiner Sand - der praktisch in jeder Art von Dreck enthalten ist - wirkt wie Schleifpapier und erhöht den Verschleiß immens. Eine saubere Kette ist daher das A und O der Kettenpflege.

Auch die Schmierung der Kettengelenke ist wichtig, damit der Verschleiß der Kette gering ist. Von Werk aus ist eine zähflüssige Schmierung eingebracht, die gut wirkt. Diese Schmierung sollte möglichst lange dort bleiben - oder durch gleichwertige ersetzt werden.

Äußerliche Reinigung

Vor dem Schmieren muss man die Kette reinigen, damit Sand und andere Schmutzpartikel erst gar nicht zu den Kettengelenken vordringen können. Die eine Hand hält den Lappen an die Kette, die andere dreht die Kurbel. Bei stark anhaftenden Schmutz hilft etwas Öl auf dem Lappen.

Erst danach sollte ein wenig Öl auf die Kette gebracht werden, und zwar auf die Innenseite. Damit werden die Berührungspunkte der Kette mit den Kettenblättern und Ritzeln geschmiert. Das verringert Geräusche und verbessert die Funktion einer Kettenschaltung erheblich. Der Ölfilm auf der Kette soll möglichst dünn sein, weil sonst zu viel Schmutz auf der Kette haftet. Beispielsweise kann man nach dem Ölen vorsichtig mit einem Tuch über die Kette gehen. Diese einfache Pflege bringt schon sehr viel.

Noch besser wird die Pflege, wenn man auch die Kettenblätter, Ritzel und Umlenkrollen von Dreck befreit, zum Beispiel mit einer Bürste.

Als Pflege „zwischendurch“ sollte man die Kette regelmäßig abwischen, wie oben beschrieben. Siehe auch entsprechende Empfehlungen z.B. bei Rohloff: „Damit der Schmutz gar nicht erst in die Gelenke gelangt, sollte die Kette äußerlich möglichst sauber und trocken gehalten werden“. Daher ist ständiges Nachölen bedenklich, wie es zum Beispiel die Rohloff Lubmatic macht.

Verschleißsenkend sind außerdem große Kettenblätter und große Ritzel (Extrembeispiel: lieber 52:24 fahren als 26:12) und das Vermeiden von Schaltvorgängen unter Last. Ein Kettenkasten kann die Kette sehr gut vor Schmutz schützen und ihre Lebensdauer erheblich erhöhen. Auf der anderen Seite erschwert ein Kettenkasten die (deutlich seltener notwendige) Pflege erheblich.

Ingmars Methode

Ingmar E. empfiehlt, die Kette gründlich zu reinigen und sehr selten und sparsam zu schmieren; eine Schmierung der Berührungspunkte zwischen Kette und Kettenblättern/Ritzeln/Umlenkröllchen sei unnötig: „Ich persönlich bevorzuge, das [innere] Fett so lange wie möglich zu schützen, indem ich erst nachschmiere wenn die Kette zwitschert und indem ich nur mit Lappen außen säubere. Meist reicht ein trockener Lappen; wenn das nicht reicht, WD40 oder Nähmaschinenöl nur auf den Lappen geben, und wenn sie noch gröber verschmutzt ist, mit ner Metallbürste vorher abbürsten. Am Ende immer mit dem trockenen Lappen arbeiten und alles Fettige außen entfernen. Der Antriebsstrang braucht nur im inneren Fett, da wo man mit dem Lappen nicht hinkommt. Der Rest, Kettenblätter, Ritzel, Schaltröllchen, die komplette äußere Kette, da muss alles ölige, fettige verschwinden.

Macht man das penibel nach der ersten Montage der Kette (da ist alles sauber, geht am einfachsten), wird man tausende km fahren können, auch durch Matsch, und der Antriebsstrang bleibt sauber. An trockenem bewegten Metall bleibt nichts hängen. Ich zieh dann alle paar Wochen nochmal 1 min die Kette durch nen trockenen Lappen um den Staub außen zu entfernen, das wars aber auch schon. Sie bekommt evtl. außen Flugrost, je nach Qualität, durch die fehlende Fettschicht, aber das macht nichts, das beeinflusst nicht die Funktion, und verschwindet auch wieder.“

Gelenke reinigen

Bei stark verschmutzten Ketten kann eine Reinigung der Kettengelenke sinnvoll sein. Wer das will, sollte aber genau wissen, was er tut. Denn dabei wird meistens auch die vom Werk eingebrachte, zähflüssige Schmierung herausgewaschen - und dann verschleißt die Kette sehr schnell. Meistens richtet man mit einer gründlichen Kettenreinigung mehr Schaden an als zu verbessern. Ohne das zähflüssige Fett in den Gelenken der Kette muss man viel häufiger nachschmieren, da sich das dünnflüssige Öl nicht lange hält.

Verbreitete Vorgehensweisen sind es, die Kette mit WD40 zu „duschen“ oder mit Bremsenreiniger einzusprühen. Hartgesottene legen die Kette in einer Socke in die Waschmaschine. Beim Auswaschen der Kette sollte sie bewegt werden, damit alle Teile erreicht werden.

Um einer gereinigten Kette wieder eine Fettschmierung zu verpassen, kann man sie in zähflüssiges Fett einlegen. Dieses Fett sollte sehr heiß sein, damit es vorübergehend dünnflüssig wird und tief in die Kette eindringt. Dabei sollte die Kette bewegt werden, damit alle Teile erreicht werden.

Der Hersteller des Mittels Innotech 105 behauptet, dass sein Mittel die inneren Teile der Kette sowohl reinigen als auch mit einer zähflüssigen Schmierung versehen kann. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Pflegemittel

Kettenpflegemittel von Finish Line und Rohloff

In einem Test der Zeitschrift Fahrradzukunft ergab sich kein systematischer Zusammenhang zwischen Kettenlängung und Art des verwendeten Schmiermittels.[1]

Dünnflüssiges Öl

Zum Beispiel Nähmaschinenöl. Hat den Vorteil der geringen Klebrigkeit. Eine Kette, die nicht klebrig ist, ist leicht zu reinigen - auch, weil sie nicht so stark verschmutzt. Dünnflüssiges Öl hat den Nachteil, dass es die zähflüssige Schmierung der Kettengelenke verdünnen und auswaschen kann. Daher unbedingt sparsam und nicht zu oft verwenden! Perfektionisten beträufeln mit einem Pinsel jedes Gelenk mit einem kleinen Tropfen.

Dickflüssigeres Kettenöl

Zum Beispiel Rohloff-Öl. Hält besser als dünnflüssiges Öl, besonders bei Regen. Verdünnt die innere Schmierung der Kettengelenke nur wenig. Der Nachteil ist die große Klebrigkeit, und der hohe Aufwand die Kette nach dem Schmieren von überschüssigen Öl zu befreien. Sparsam verwenden und die Kette nach dem Auftragen des Öls mit einem Lappen trockenwischen!

Kettenfett

Kettenfett ist zähflüssig, so wie das Schmiermittel der Kettengelenke. Außen aufgetragen ist es sehr klebrig, sodass viel Dreck darin hängen bleibt und die Reinigung des Antriebs mühsam ist. Der einzige Vorteil scheint darin zu bestehen, dass Kettenfett nicht die Schmierung der Kettengelenke verändern kann. Dafür ist ein hoher Reinigungsaufwand erforderlich. Möglicherweise ist Kettenfett sinnvoll, wenn man es vor dem Auftragen stark erhitzt, sodass es dünnflüssig wird und zwischen die Bestandteile der Kette fließen kann. Theoretisch kann es dann - in ausreichender Menge angewandt - auch vorhandenen Dreck ausspülen.

Innotech 105

Dieses Mittel kann nach Angaben des Herstellers die Kette sowohl reinigen als auch schmieren. Dazu ist zähflüssiger Schmierstoff mit einen Lösungsmittel verdünnt, sodass beim Einsprühen der Kette (idealerweise mit einem Röhrchen, an dessen Ende ein kleiner Pinsel sitzt) das Schmiermittel in das Innere der Kette dringt. Das überschüssige Mittel tropft aus der Kette und soll dabei Schmutz mitnehmen. Es wird daher empfohlen, ein Stück Pappe unter die Kette zu legen. Die Schmierung setzt erst ein, wenn das Lösungsmittel verdunstet ist, was mehrere Stunden dauert. Innotech 105 sollte daher keinesfalls kurz vor der Abfahrt verwendet werden. Laut Hersteller alle 300 bis 400 km.

Trockenschmiermittel

Meist auf Silikon- oder PTFE-Basis (Polytetrafluorethylen, DuPont-Handelsname Teflon). Zieht keinen Dreck an, die Kette bleibt daher sehr sauber. Trockenschmiermittel können unter Druck verdrängt werden und sind nicht fließfähig, sodass dass Lücken in der Schmierung entstehen. Erst beim Nachschmieren können diese Lücken geschlossen werden.

Daraus resultiert eine schlechtere Schmierung zwischen Kette und Kettenblättern, wodurch der Antrieb lauter wird als mit einer Fett/Öl-Schmierung und die Kettenschaltung nicht ganz so reibungslos funktioniert. Daher wahrscheinlich eine gute Lösung für Nabenschaltungen. Trockenschmiermittel sind kaum wasserbeständig; nach jeder Regenfahrt muss nachgeschmiert werden.

Kriechöle

Ballistol und andere Kriech- und Waffenöle werden in der Regel als ungeeignet betrachtet. Die Öle sind so dünnflüssig, dass sie die zähflüssige Schmierung der Kettengelenke - besonders bei Regen - verdünnen und auswaschen.

Wachs

Im Gegensatz zu den meisten anderen hier aufgeführten Pflegemittel ist Wachs kein Schmiermittel. Der Sinn einer mit Wachs behandelten Kette liegt darin, dass das Wachs schmutz- und wasserabweisend wirkt und damit keine den Kettenverschleiß befördernden Substanzen in den Antrieb gelangen. Das Wachsen der Kette geschieht entweder mit einer kommerziell erhältlichen Mischung aus Wachs und Lösungsmittel (z.B. Finish Line Krytech Wachs) oder durch das Kochen der Kette in einer selbst hergestellten Mischung aus Paraffin und Bienenwachs (englischsprachige Anleitung).

WD40

WD40 ist in erster Linie ein Korrosionschutz, der Wasser verdrängt. In gewissen Rahmen eignet er sich als Schmiermittel für wenig beanspruchte Gelenke im Außenbereich, zum Beispiel für Garagentore.


Erfahrungen

  • thomas-b: Meine Erfahrungen mit dem Innotech 105 sind recht positiv. Ich habe es ca. alle 200 bis 300 km angewendet, meist abends, so das Morgens das Rad einsatzbereit war. Ich habe das Innotech 105 auch mit Dickflüssigen Kettenölen im Wechsel eingesetzt (z.B. LUBCON Turmofloid 40 b). Dies, wenn ich abends die Pflege vergessen hatte oder wenn besonders nasse Bedingungen zu erwarten waren wie z.B. im Winterbetrieb. Meine Letzte Kette mit Kettenschaltung - Campagnolo C9 - hat bei dieser Pflege ca. 8600 km durchgehalten. Auf Tour benutze ich dann eine 20 ml Flasche dickflüssiges Kettenöl oder eine 100 ml Sprühdose Innotech 105.
  • thomas-b: Einen Sommer bin ich mit Finish Line Krytech gepflegter Kette gefahren. Ein Nachschmieren der Kette war nach spätesten 120 bis 130 km notwendig, da ab der Laufleistung die Geräuschentwicklung sehr stark zu nahm. Man konnte die Kette immer anfassen und hatte dabei nur leichte Verschmutzungen an den Händen. Nach dem Sommer auf konventionellere Schmierung gewechselt.
  • Andreas R: Ich benutze das PTFE-Schmiermittel „Profi Dry Lube“ am Liegerad. Die Kette läuft etwas lauter und hält länger als mit Öl. Dafür ist ein Nachschmieren alle 250 km und nach jeder Regenfahrt erforderlich. Ein Nachteil ist, dass es Dry Lube nur in Sprühdosen gibt, in denen das Zeug entweder teuer ist (kleine Dosen, 60 EUR pro Liter) oder sperrig (große Dosen, ca. 35 EUR pro Liter). Bei der Umstellung auf Dry Lube müssen Kette, Blätter und Ritzel fettfrei sein, was mit Neuteilen am einfachsten ist. Kette und Blätter reinigt man mit einem Lappen, den man vorher mit Bremsenreiniger eingesprüht hat. Die Kassettenreinigung ist sehr aufwändig, am besten nimmt man eine neue Kassette.
  • Andreas R: Das Mountainbike habe ich kürzlich auf Innotech 105 umgestellt. Bei der ersten Anwendung braucht man rund 70 ml, daher am besten gleich eine große Flasche (500 ml) kaufen. Die Kette bleibt äußerlich trocken und ist nicht klebrig. Grober Dreck (wie Schlammreste) bleibt eher am Schaltwerk hängen und kaum an der Kette.

Siehe auch

Links